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10.03.2017 10:52 Alter: 198 days
Kategorie: Ökologische Verantwortung

Keine Energiewende ohne Suffizienz

Effiziente Technik allein wird die Energiewende nicht zum Erfolg führen, eine Suffizienzstrategie muss ergänzend entwickelt werden, zeigt eine neue Studie.


Bisher setzen Politik und Wirtschaft in Deutschland im Rahmen der Energiewende vor allem auf die Erhöhung der Effizienz bei der Energieerzeugung und -nutzung. Mit weniger Aufwand soll der gleiche Nutzen erzielt werden. Technische Lösungen stehen im Vordergrund. Energiesuffizienz, also die absolute Verminderung des Energieverbrauchs durch veränderte Nutzenaspekte (Reduktion, Substitution oder bessere Anpassung des Nutzens an tatsächliche Bedürfnisse und Bedarfe), spielt dagegen bisher kaum eine Rolle. Ihr soll jetzt stärkere Beachtung geschenkt werden. Einen Beitrag dazu sehen die Wissenschaftler um Lars-Arvid Brischke vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) mit ihrer aktuellen Studie zur Verringerung des Energiebedarfs.

Suffizienz als Ergänzung der Effizienz

Sie entwickelt Strategien, wie sich dieser absolut verringern lässt, wie private Haushalte unterstützt werden können, ihr Konsum- und Nutzungsverhalten zu verändern. Das Projekt konzentriert sich dabei auf den Bereich Bauen und Wohnen. Ziel ist es, Beispiele für erfolgreiche Energiesuffizienz zu verstehen, zu verallgemeinern und gemeinsam mit Konsumenten weiterzuentwickeln. So sollen bestehende Effizienzstrategien ergänzt werden.

Für ausgewählte Energieanwendungsfeldern hat das Projekt "Suffizienzspektren" entworfen, in denen sowohl die Handlungsoptionen als auch die Hemmnisse durch Einschränkungen und persönliche Rahmenbedingungen systematisiert dargestellt sind. Modellrechnungen dazu zeigen, dass bei vollständiger Umsetzung der Suffizienz-Maßnahmen, kombiniert mit einer maximalen Ausschöpfung der Energieeffizienzpotenziale, eine Stromeinsparung von fast 80 Prozent für die Haushalte in Deutschland erreichbar ist, von denen zwei Drittel auf die Energiesuffizienz entfallen.

Um dieses Potenzial ausschöpfen zu können, sehen die Wissenschaftler vor allem die Kommunen gefordert. Sie haben kommunale Klimaschutzkonzepte und Masterpläne ausgewertet und Handlungsfelder eruiert, in denen eine Suffizienzstrategie erfolgreich sein kann. In den Handlungsfeldern Ernährung, Konsum und Bauen /Wohnen besteht danach erheblicher Handlungs- und zum Teil noch Forschungsbedarf. Einen Ansatzpunkt sehen sie beispielsweise in der Förderung und Weiterentwicklung gemeinschaftlicher Wohnformen.

Politikansätze zur Unterstützung von Energiesuffizienz

Auf der Grundlage ihrer Analyse entwickeln die Forscher Politikansätze zur Unterstützung von Energiesuffizienz in Privathaushalten und unterbreiten Vorschläge für ein integriertes Paket von Politikinstrumenten für Energieeffizienz und -suffizienz bei Elektrogeräten. Neben Maßnahmen zur besseren Information über den Energieverbrauch von Geräten und die Förderung energiesuffizienter Dienstleistungen regen sie auch an die Kommunen dabei zu unterstützen, den zunehmenden Pro-Kopf-Bedarf an Wohnfläche zu verringern.