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< Soziale Gerechtigkeit fördert Umweltschutz
07.06.2017 19:57 Alter: 189 days
Kategorie: Ökologische Verantwortung, 2-2017

Handelsketten produzieren Textilien mit weniger Gift

Die deutschen Händler Aldi, Lidl, Rewe, Penny, Kaufland und Tchibo machen Fortschritte in der Produktion giftfreier Kleidung. Das zeigt die Zwischenbilanz der Greenpeace-Detox-Kampagne. Mit der Kampagne haben sich die Unternehmen verpflichtet, bis zum Jahr 2020 auf umwelt- und gesundheitsgefährliche Chemikalien zu verzichten.


Frau auf Fahrrad aus Textilien

Offenbar machen Discounter und Handelsketten Fortschritte beim produzieren giftfreier Kleider. Das zeigt die Zwischenbilanz der Greenpeace Detox-Kampagne. Die Überprüfung nach rund zwei Jahren zeigt: Die Händler nehmen ihre Versprechen ernst. Erste Chemikalien wurden vollständig aus der Herstellung verbannt, und alle Unternehmen veröffentlichen Analysedaten ihrer Abwässer.

Besonders gut schneidet Tchibo ab. Das Unternehmen hat eine genaue Verbotsliste und umfangreiche Fallstudien zum Ersatz gefährlicher Chemikalien vorgelegt. "Auch große Händler können Mode ohne giftige Chemikalien produzieren", sagt Greenpeace-Textilexpertin Alexandra Perschau. "Die Detox-Verpflichtungen wirken, und sie entziehen dem Rest der Branche seine Ausreden: Giftfrei wird zur Selbstverständlichkeit." Der Check online: www.greenpeace.de/discountercheck2017

Weniger erfolgreich sind die Händler allerdings dabei, ihre Sortimente auf langlebige und wiederverwertbare Mode umzustellen. Bis jetzt legt kaum ein Unternehmen einen klaren Plan vor, wie sie künftig Verantwortung für die Herstellung, eine lange Nutzung und späteres Entsorgen der Produkte übernehmen werden. Darüber hinaus hat kein Händler Angaben gemacht, welche Fasern in welchen Materialmixen und in welchen Mengen eingesetzt werden. Einzige Ausnahme: Bei Baumwolle wird zumindest vereinzelt kommuniziert in welchem Ausmaß auf Nachhaltigkeit geachtet wird. 

Wegwerfmode ist immer noch Trend

Besonders gering ist das Engagement der Händler für eine Verlängerung der Nutzungsdauer: Weder werden Garantien übernommen noch Reparaturen angeboten. Auch moderne Konsumformen wie Leihen, Tauschen oder Teilen haben noch nicht den Weg in die Geschäftsmodelle der Händler genommen. Außerdem fehlen Maßnahmen, die die bestmögliche Weiterverwendung oder Recycling von Kleidung sicherstellen. Im Hinblick auf Textilrücknahme funktioniert in Deutschland die Altkleidersammlung bereits gut. Die international tätigen Supermarktketten müssen jedoch ihre Verantwortung ernst nehmen und sich auch dort engagieren, wo Kunden bislang wenige Möglichkeiten zur Rückgaben von Kleidung und Schuhen haben.

"Wegwerfmode war gestern", so Perschau. "Wir brauchen Mode mit Zukunft. Die Händler sind jetzt gefragt, den Wandel von kurzlebiger Massenmode hin zu langlebiger Qualitätsmode mit gleicher Ernsthaftigkeit umsetzen, die sie beim Entgiften an den Tag legen."

Tatsächlich gibt es auch einzelne Bekleidungshersteller, die auf langlebige Mode setzen und Reparatur- und Aufwertungsservice anbieten. Zum Teil können Kleidungsstücke auch geleast oder gemietet werden und die Unternehmen erhalten die getragenen Stücke zur Wiederverwertung zurück. Vorreiter ist der niederländische Hersteller Mud-Jeans: Für 7,50 ? pro Monat kann man dort seine Jeans leasen. Würden die Discounter in diesen Markt einsteigen, ließen sich sicher günstige Preise erzielen, bei gleichzeitig höherer Beschäftigung für den Service und höherem Schutz für Umwelt, Klima und Menschen.