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03.06.2017 08:39 Alter: 193 days
Kategorie: 2-2017, Soziale Verantwortung

Soziale Gerechtigkeit fördert Umweltschutz

Umweltschutz muss man sich leisten können, heißt es oft von Unternehmerseite. So sieht es auch gesellschaftlich aus, dabei sind Umwelt und Soziales keine Gegensätze. Forscher der Universitäten Freiburg, Kiel und Berlin fanden heraus, dass der ökonomische Wert der Natur für eine Gesellschaft unter anderem von der Einkommensungleichheit in der Gesellschaft bestimmt wird. Maßnahmen für mehr soziale Gerechtigkeit stärken also auch den Naturschutz.


Der ökonomische Wert der Natur wird für eine Gesellschaft unter anderem von der Einkommensungleichheit in der Gesellschaft bestimmt. "Soziale Gerechtigkeit und Naturschutz stehen nicht unbedingt in einem Konflikt zueinander, anders als häufig behauptet wird. Vielmehr können Maßnahmen für mehr soziale Gerechtigkeit in einer gesellschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Betrachtung auch den Naturschutz stärken", betont Stefan Baumgärtner, Professor für Umweltökonomie und Ressourcenmanagement an der Universität Freiburg und Leiter der Studie. Die Wissenschaftler haben ihre Theorie im Journal of Environmental Economics and Management, der führenden Fachzeitschrift der Umweltökonomie, vorgestellt und anhand eines umfangreichen empirischen Datensatzes zu Naturbewertungen in 22 Ländern weltweit quantifiziert.

Dass der ökonomische Wert der Natur für eine Gesellschaft umso höher ist, je höher das durchschnittliche Einkommen in der Gesellschaft ist, war schon länger bekannt. Das liegt daran, dass bei der ökonomischen Naturbewertung die Leistungen der Natur mit dem Nutzen von Konsumgütern verglichen werden. Wer über ein höheres Einkommen verfügt, kann mehr konsumieren und wird damit normalerweise auch der Natur einen höheren Wert zusprechen.

Unklar war bislang, welchen Einfluss die Ungleichheit der Einkommensverteilung auf den ökonomischen Wert der Natur hat. Diese Frage ist nun beantwortet: Wenn die Leistungen der Natur für das menschliche Wohlbefinden gut durch von Menschen produzierte Güter und Dienstleistungen ersetzt werden können, ist der ökonomische Wert der Natur für eine Gesellschaft umso höher, je gleichmäßiger die Einkommen in dieser Gesellschaft verteilt sind. In diesem Fall gilt umgekehrt auch: Je ungleicher die Einkommen verteilt sind, desto geringer ist der ökonomische Wert der Natur für die Gesellschaft. Die empirischen Daten deuten darauf hin, dass die Bedingung der guten Ersetzbarkeit für viele Leistungen der Natur auf dem derzeitigen Konsumniveau erfüllt ist.

"Dieses Ergebnis ist wichtig, weil es einen klaren Zusammenhang zwischen sozialer Gerechtigkeit und Naturschutz herstellt", sagt Baumgärtner. Einkommensungleichheit führe nach diesem Ergebnis nämlich zu einer Unterbewertung von Natur. Eine Verringerung von Einkommensungleichheit hätte demnach eine Höherbewertung von Natur zur Folge. Damit würde die Natur in Entscheidungen über wirtschaftliche Entwicklungsmaßnahmen auch einen höheren Stellenwert erhalten - bedeutend zum Beispiel bei der Planung neuer Verkehrswege, Wohn- oder Gewerbegebiete.

Originalveröffentlichung: S. Baumgärtner, M.A. Drupp, J.N. Meya, J.M. Munz and M.F. Quaas (2017), Income inequality and willingness to pay for environmental public goods, Journal of Environmental Economics and Management 85: 35?61. http://doi.org/10.1016/j.jeem.2017.04.005