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10.08.2017 14:54 Alter: 1 year
Kategorie: Verantwortliche Unternehmensführung, 3-2017

Remanufacturing: Auch KMU sparen damit

Mit Remanufacturing, der Wiederaufarbeitung von Gebrauchtteilen, können auch kleine und mittlere Unternehmen in ihrer Produktion Ressourcen und Geld sparen. Denn der "Hidden Giant" des Ressourcenschutzes hat auch bei ihnen hohes Effizienzpotenzial, zeigt eine Analyse des VDI.


Tabelle zu Unternehmen, Mitarbeitern und Potenzialen beim Remanufacturing

Die Wiederverwendung und Aufbereitung gebrauchter Produkte oder Produktteile birgt auch für KMU große Ressourceneffizienzpotenziale, verspricht die Kurzanalyse "Ressourceneffizienz durch Remanufacturing - Industrielle Aufarbeitung von Altteilen" der VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH (VDI ZRE). Bisher waren es vor allem Großunternehmen, die in serienmäßig schwere Teile für den Automotive-Sektor produzieren, bei denen Remanufacturing zu Vorteilen geführt hat. Doch auch die KMU können dadurch langfristig Kosten reduzieren und ihre Wettbewerbsposition stärken, so die Experten des VDI-ZRE.

Zu trifft das für sie für verschiedenen Branchen: Ob im Automobilbereich, beim Flugzeugbau oder bei Motoren, Pumpen und Kompressoren für Industrieanlagen, Medizintechnik oder Maschinenbau: Das Remanufacturing ist eine zentrale Maßnahme zur Steigerung der Ressourceneffizienz. Um ein gebrauchtes Produkt auf das Qualitätsniveau eines Neuproduktes zu bringen, wird es in mehreren Prozessschritten demontiert, gereinigt, geprüft, aufgearbeitet und remontiert. So können KMU den Material- und Energieaufwand zur Herstellung eines Neuproduktes und damit ihre  Produktionskosten deutlich senken, wenn sie Altteile für eine Wiederverwendung aufarbeiten. Die Qualität ist häufig besser als die der Originalteile und die Produkte günstiger. 

Denn bis zu 80 Prozent der Herstellungskosten werden in Einzelfällen durch die Refabrikation von Altteilen eingespart und bis zu knapp 90 Prozent die Materialverbräuche reduziert. Wiederaufgearbeitete Produkte können somit für nahezu 40 bis 80 Prozent des Beschaffungspreises eines Neuproduktes angeboten werden. "Für KMU bedeutet dies eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit durch eine variablere Preispolitik bei gleichzeitig größerer Produktpalette - und das bei mindestens gleicher Qualität der aufbereiteten Teile im Vergleich zu entsprechenden Neuprodukten", so Dr. Martin Vogt, Geschäftsführer des VDI ZRE.

Wird bereits bei der Produktgestaltung auf ein Remanufacturing-gerechtes Design geachtet, lassen sich die positiven ökonomischen und ökologischen Effekte noch verstärken. Dazu zählen zum Beispiel ein modularer Aufbau und eine einfache Zerlegbarkeit des Produktes sowie die Korrosionsresistenz und Verschleißfestigkeit eingesetzter Materialien. "Innovationssprünge bei einzelnen Komponenten können so genutzt werden, ohne gleich das ganze Produkt zu ersetzen", so Vogt.

Experten schätzen das Remanufacturing als zukunftsträchtige Alternative zur Herstellung von neuen Produkten ein: Bis 2030 wird die Branche europaweit um mehr als 50 Prozent auf 46 Milliarden Euro wachsen - andere Prognosen gehen sogar von einem Wachstum auf mehr als das Dreifache aus.

In der Kurzanalyse des VDI-ZRE zeigen auch einige mittelständische Betriebe, wie es geht: So bereitet die Lorenz GmbH Wasserzähler wieder auf, und spart dadurch rund 30 Prozent Neumaterial und reduziert den Energieverbrauch um jährlich 150.000 kWh. Die gesunkenen Materialkosten gleichen den erhöhten Personalaufwand aus, doch durch die Entlastung der Neuproduktion wurde ein Wachstum ohne Investition erreicht. Weitere Beispiele gibt es zu Aufarbeitung von PCs und Notebooks, Industrierobotern, Druckern, Laserkartuschen, Anlasser und Lichtmaschinen, Bremsanlagen, carbonfaserverstärkte Kunststoffkomponenten und Tunnelbohrsysteme.

Mehr dazu auch im von future mitgegründeten factory-Magazin für Nachhaltiges Wirtschaften, das sich im Themenheft Circular Economy mit Remanufacturing beschäftigt.