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< Deutschlands Verkehr kann bis 2035 emissionsfrei sein
11.09.2017 20:49 Alter: 286 days
Kategorie: Ökologische Verantwortung

Deutschland wird Klimaziel 2020 deutlich verfehlen

Um 30 Prozent wird die Bundesrepublik ihren Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 gegenüber 1990 reduzieren können. Das ist bedeutend weniger als angestrebt. Das Ziel von 40 Prozent wäre nur durch kräftiges Gegensteuern bei Kohleverbrennung und Verkehrsemissionen möglich.


Klimaschutzziel und tatsächliche Emissionen in Deutschland in einer Grafik

Geht es weiter wie bisher, wird Deutschland sein Klimaschutzziel für 2020 drastisch verfehlen. Der Ausstoß von Treibhausgasen wird gegenüber 1990 lediglich um 30 bis 31 Prozent zurückgehen - das Ziel sind 40 Prozent. Zu der Einschätzung kommt der Thinktank Agora Energiewende in einer aktuellen Analyse. Die Experten aktualisierten die offizielle Prognose der Bundesregierung - den so genannteb Projektionsbericht aus dem Frühjahr 2017 - mit den neusten verfügbaren Daten. Im Projektionsbericht nimmt die Regierung bislang an, dass bis 2020 ein Rückgang von rund 35 Prozent erreicht wird.

Um noch so nah wie möglich an das Klimaschutzziel 2020 zu kommen, sei ein Sofortprogramm ?Klimaschutz 2020? unumgänglich, fordern die Agora-Wissenschaftler*innen. Dieses müsste von der künftigen Regierung zügig beschlossen und schon im ersten Halbjahr 2018 umgesetzt werden, um noch bis 2020 Wirkung entfalten zu können.

Das Klimaschutzziel 2020 von Minus 40 Prozent Treibhausgasminderung wurde von der Bundesregierung 2007 beschlossen und seither immer wieder bekräftigt, zuletzt von der Bundeskanzlerin im ARD-Sommerinterview im Juli. Mit Stand 2016 lagen die klimaschädlichen Emissionen um 28 Prozent unter dem Niveau von 1990, die Lücke bis 2020 beträgt gut 150 Millionen Tonnen CO2.

Die Bundesregierung geht bislang in ihrem Projektionsbericht noch davon aus, dass die Lücke  durch die bereits beschlossenen Maßnahmen auf 70 Millionen Tonnen CO2 schrumpft. Tatsächlich dürfte aber, so die Analyse, die Lücke ohne weitere Maßnahmen bei etwa 120 Millionen Tonnen CO2 verharren (-30,5 Prozent). Hierfür gibt es mehrere Ursachen: So sind die Preise für CO2-Emissionsrechte, Heizöl, Diesel, Gas und Benzin niedriger als bislang angenommen. Zudem wachsen Wirtschaft und Bevölkerung stärker als im Projektionsbericht der Bundesregierung prognostiziert. Das führt insgesamt zu einem stärkeren Einsatz fossiler Brennstoffe - etwa in der Kohleverstromung, bei der Gebäudeheizung mit Öl und im Verkehr.

Notwendig sind gerade die deutschen Braunkohlekraftwerke, die Europas größte CO2-Quellen sind, für Deutschlands Stromerzeugung nicht. Sie könnten sofort vom Netz. Denn der gesamte Strombedarf liegt hierzulande maximal bei 88 Gigawatt, der gesamte Kraftwerkspark habe aber laut Bundesnetzagentur eine Kapazität von 206 Gigawatt - und das sogar ohne Photovoltaik und Windkraft, die nicht einberechnet werden, weil sie wetterabhängig sind. Die Kohlekraftwerke produzieren also nur für den Export und für den Gewinn der Betreiberkonzerne. Und weil Atom- und Braunkohlekraftwerke durchlaufen, verstopft ihr Strom die Leitungen, statt sie  für den Anschluss von mehr erneuerbaren Quellen frei zu machen.