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< CSR-Berichtspflicht: Wer bereits nachhaltig berichtet, ist gut aufgestellt
25.02.2019 15:23 Alter: 260 days
Kategorie: Pressemitteilung future, Verantwortliche Unternehmensführung

Erstes Ranking der Nachhaltigkeitsberichte nach einem Jahr CSR-Berichtspflicht

Seit 25 Jahren untersuchen das Institut für Ökologisches Wirtschaften (IÖW) und future die Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen. Erstmals haben sie zusätzlich auch die Berichte der Großunternehmen analysiert, die unter die seit Anfang 2018 geltende CSR-Berichtspflicht fallen. Ergebnis: Deutschlands beste Nachhaltigkeitsberichte lieferten Rewe, BMW, Telekom sowie die drei Mittelständlern Vaude, Lebensbaum und Memo. Die der Berichtspflicht unterliegenden Unternehmen erfüllen zumeist nur die Mindestanforderungen, Art, Umfang und Qualität variieren stark.


Ergebnisse des Rankings der Nachhaltigkeitsberichte 2018

Es war das zehnte Ranking der Nachhaltigkeitsberichte, dessen Ergebnisse IÖW und future am 21. Februar 2019 in Berlin mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) dort vorstellten. Das BMAS hatte das Ranking in den letzten Jahren gefördert und Staatssekretär Dr. Rolf Schmachtenberg betonte in seiner Ansprache die Bedeutung unternehmerischer Verantwortung: "Durch ein transparentes Berichtswesen über ihre ökologische und soziale Verantwortung ermöglichen sie es ihren Kunden und Geschäftspartnern ihre Leistungen klar einzuordnen und gegebenenfalls auch Verbesserungen einzufordern." Er wies darauf hin, dass faire globale Lieferketten der Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft seien, die 2020 ansteht.

Die besten Berichte von Großunternehmen kamen 2017/2018 von Rewe, BMW und Telekom, bei den Mittelständlern wurden Vaude, Lebensbaum und Memo ausgezeichnet. BMW und letztere waren auch schon in den Jahren zuvor (2015, 2011, 2009) immer wieder unter den Spitzenreitern. Im Ranking der Nachhaltigkeitsberichte haben IÖW und future über einhundert Berichte deutscher Unternehmen ausgewertet.

Während sich die Berichtsqualität bei den kleinen und mittleren Unternehmen vor allem im Bereich Lieferkette deutlich verbessert habe, sei sie bei den Großunternehmen insgesamt stabil geblieben, sagte Dr. Udo Westermann von future. Zu Strategie, Governance und Zielen berichteten beide Gruppen gut. Dagegen seien Aussagen zu Mitarbeiterinteressen in beiden Gruppen noch verbesserungsbedürftig. Das gelte auch für die Darstellung der Leistungen zur Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs). Die meisten Unternehmen machen dazu nur wenige Angaben.

Ein Jahr CSR-Berichtspflicht für über 400 Großunternehmen: Erste umfassende Auswertung

Bis Ende 2017 war es Unternehmen freigestellt offenzulegen, wie sie es mit Umweltschutz, den Interessen ihrer Angestellten oder den Arbeitsbedingungen ihrer Lieferanten halten. Für über 400 große deutsche Unternehmen gilt dies nicht mehr. Im vergangenen Jahr waren sie erstmals gesetzlich dazu verpflichtet, Rechenschaft zu ihrer Unternehmensverantwortung - in der Wirtschaft als "Corporate Social Responsibility" (CSR) bezeichnet - abzulegen, also dazu, wie sie mit Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen, Menschenrechten und Korruptionsbekämpfung umgehen.

IÖW und Future haben nun zusätzlich zu ihrem Ranking, in dem sie seit 25 Jahren die Nachhaltigkeitsberichte deutscher Unternehmen bewerten, die erste umfassende Auswertung von 439 Unternehmenserklärungen zur sogenannten CSR-Berichtspflicht vorgelegt. Fazit: Die Unternehmen kommen den Informationspflichten nach - viele bislang aber erst im Sinne von Mindestanforderungen. Hinsichtlich Tiefe und Konsistenz der Informationen, die Unternehmen preisgeben, gibt es aber große Unterschiede.

Aussagekräftige Leistungsindikatoren und Kennzahlen kommen zu kurz

Unternehmensexperte Christian Lautermann vom IÖW: "Die berichtspflichtigen Unternehmen beschreiben zwar Konzepte, wie sie mit den für sie wesentlichen Belangen umgehen. Angaben zu konkreten Zielen und Ergebnissen sowie damit verbundene aussagekräftige Leistungsindikatoren und Kennzahlen kommen jedoch zu kurz oder entsprechende Zusammenhänge werden nicht deutlich gemacht." Udo Westermann von future fügt hinzu: "Hier sind diejenigen Unternehmen klar im Vorteil, die teilweise schon seit vielen Jahren freiwillig Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen. Und auch bei manchen Mittelständlern, die sich seit Langem aus freien Stücken in Transparenz üben, können sich die Großen einiges abschauen."

Die Studienautoren weisen aber darauf hin, dass es auch Unternehmen, die neu in die Berichterstattung einsteigen, auf Anhieb gelingen kann, vorzeigbar zu informieren. So hat es zum Beispiel Aldi Nord mit seinem 2018 ersten je veröffentlichten Nachhaltigkeitsbericht im Ranking sofort auf Platz 15 geschafft. Das Unternehmen fällt nicht unter die gesetzliche Berichtspflicht und berichtet auf freiwilliger Basis.

IÖW und Future bewerten Berichte von Unternehmen zu ihrer Unternehmensverantwortung seit 1994 und stellen Kriterien für gutes Reporting auf. "Die Erfahrungen aus zehn Durchläufen unseres Rankings der Nachhaltigkeitsberichte zeigen, dass die Informationsbedürfnisse der Stakeholder sich stetig wandeln. Auch in Zukunft werden wir die Messlatte für gute Berichterstattung an die gesellschaftlichen Herausforderungen anpassen", so Ranking-Projektleiter Lautermann.

Durch die gesamte Veranstaltung zog sich der Bedeutungszuwachs von Wesentlichkeit, die Frage nach einer guten Priorisierung und deren gekonnter Darstellung sowie der Appell, hier mehr Substanz zu schaffen, berichtet Sabine Braun, future Vorstand, im Trendmonitor ihrer Agentur Akzente: "Unstrittig war, dass der Fokus auf Wesentlichkeit - sowohl bei den Standards der Global Reporting Initiative als auch durch die Umsetzung der CSR-Berichtspflicht - in den Unternehmen zu einer intensiveren Beschäftigung mit den Themen geführt hat. In der Berichterstattung allerdings sei davon noch nicht viel wahrzunehmen."